Glossar Interne Revision

Glossar aus den Themenfeldern Interne Revision, Risikomanagement und Compliancemanagement

Nachfolgende Begriffsdefinitionen und Abgrenzungen aus den Themenbereichen Interne Revision, Compliance- und Risikomanagement sollen einen Überblick in Form eines Glossars liefern.

Unsere Inhalten im Glossar Interne Revision wurden mit größter Sorgfalt erstellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr übernehmen.

Three-Lines-of-Defense-Modell

Das Three-Lines-of-Defense-Modell gilt als Best-Practice Governance Modell. Das Modell ist charakterisiert durch sogenannte „drei Vereidigungslinien“.

Die „erste Verteidigungsline“ stellt das operative Management dar. Dieses ist für die Sicherstellung der Identifizierung, Beurteilung und Kontrolle sowie Verminderung der Risiken aus der operativen Geschäftstätigkeit verantwortlich.

Die „zweite Verteidigungslinie“ ist geprägt durch die Risikomanagement-, Controlling- und Compliance-Funktion. Ziel der Funktionen ist es die in der „ersten Verteidigungslinie“ eingeführten Kontrollen zu überwachen. Die Geschäftsleitung hat im Sinne der „Business Judgement Rule“ den Nachweis zu erbringen, dass diese Funktionen wirksam sein.

Als „dritte Verteidigungslinie“ wird die Interne Revision angesehen. Definitionsgemäß erbringt diese nach den nationalen und internationalen Berufsstandards der Internen Revision (IPPF) objektive und unabhängige Prüfungs- und Beratungsleistungen, die darauf ausgerichtet ist Mehrwerte zu schaffen und die Geschäftsprozesse zu verbessern.

Interne Revision

Die Interne Revisionsfunktion erbringt nach den nationalen und internationalen Berufsstandards unabhängige und objektive Prüfungs- und Beratungsleistungen, die darauf ausgerichtet ist, Mehrwerte zu schaffen und die Geschäftsprozesse zu verbessern. Die Funktion unterstützt ihre Organisation bei der Zielerreichung mittels eines systematischen und zielgerichteten Ansatz, die Effektivität des Risikomanagements, der Kontrollen und der Führungs- und Überwachungsprozesse zu bewerten und zu verbessern.

Objektivität der Internen Revision

Nach den IPPF wird die Objektivität als „die unbeeinflusste Geisteshaltung bezeichnet, die es den Internen Revisoren erlaubt, ihre Aufgaben dergestalt auszuführen, dass sie ihre Arbeitsergebnisse und deren Qualität vorbehaltlos vertreten können. Objektivität erfordert, dass Interne Revisoren ihre Beurteilung prüferischer Sachverhalte nicht anderen Einflüssen unterordnen. Bedrohungen der Objektivität sind auf Prüfer-, Prüfungs-, Funktions- und Organisationsebene zu steuern.“

Persönliche Objektivität eines Internen Revisors

Nach dem IPPF Standard Nr. 1120 müssen Interne Revisoren unparteiisch und unvoreingenommen sein und jeden Interessenkonflikt vermeiden. Interessenkonflikte können nach den Standards als Situationen verstanden werden, „in denen ein Interner Revisor in einer Vertrauensstellung ein konkurrierendes berufliches oder privates Interesse hat.
Solche konkurrierenden Interessen können es schwierig machen, Verpflichtungen uneingeschränkt nachzukommen.
“ Sind Interessenkonflikte vorhanden, können diese nach Schmidt (2018) die Prüfungsergebnisse beeinflussen.

Organisatorische Unabhängigkeit

Die Organisatorische Unabhängigkeit der Internen Revisionsfunktion ist dann gegeben, sofern nach den IPPF der „Leiter der Internen Revision der Ebene innerhalb der Organisation untersteht, die sicherstellen kann, dass die Interne Revision ihre Aufgaben sachgerecht erfüllen kann.“

Steigerung der Objektivität Interner Revisoren

Die Objektivität ist neben der organisatorischen Unabhängigkeit eine zentrale Voraussetzung für eine wirksame Interne Revisionsfunktion. Interessenkonflikte sind in unserm Berufsalltag anzutreffen und unweigerlich somit vorhanden.

Hierzu untersucht Schmidt (2016) wie eine ausreichende Objektivität Interner Revisoren nach den Berufsstandards erreicht werden kann. Als Ergebnis konnte Schmidt feststellen, dass die Einführung einer Rotation im Sinne eines Leitungswechsels dezentraler Revisionsleiter in der internen Revision eines internationalen Konzerns eine Steigerung der persönlichen Objektivität darstellen kann.

Kritische Geisteshaltung Interner Revisoren

Die Objektivität eines Internen Revisors ist nach Schmidt (2016) eng mit seiner kritische Geisteshaltung verbunden. Das objektive Handeln eines Revisors ist zunächst durch sein professionelles Urteilsvermögen charakterisiert. Diese wird als notwendige Bedingung für kritische Prüfungshandlungen angesehen.

Die kritische Geisteshaltung (professional skepticism) kann nach Schmidt (2016) sein Urteilsvermögen stärken. Nach dem ISA 200 wird professional skepticism als eine Haltung eines Revisors angesehen, die durch eine hinterfragende Denkweise und eine kritische Einschätzung der Angemessenheit und Vollständigkeit von Prüfungsnachweisen angesehen.

Ein Mangel einer kritischen Sichtweise könnte sich mehr oder minder auf das Prüfungsergebnis auswirken. Da sich Interne Revisoren in einem vertrauterem Umfeld im Vergleich zu Wirtschaftsprüfern sich bewegen, könnte dies noch eine größere Bedeutung haben.

Literaturhinweis: Schmidt, Christoph: Steigerung der Objektivität Interner Revisoren. Rotation als ein effektives Instrument. In: Springer Fachmedien. AutoUni-Schriftenreihe. Band 91. Wiesbaden. August. 2016. S. 25 ff.

Audituniverse

Das Audituniverse wird auch als risikoorientierte Prüfungslandkarte bezeichnet. Es enthält alle Prüfungsobjekten und ist ein Synonym für das Prüfungsfeld. Der Umfang des Audituniverse wird durch die Organisationseinheiten und Systeme bestimmt.

Outsourcing Interne Revision

Unter Outsourcing der Internen Revisionsfunktion wird die vollständige Übernahme der Funktion verstanden und durch einen Dienstleister übernommen. Äquivalent wird unter Outsourcing auch die Auslagerung oder Ausgliederung der Internen Revision verstanden.

Interne Revision und Co-Sourcing

Unter Co-Sourcing im Kontext Interner Revision wird die Teil-Auslagerung von Internen Revisionsdienstleistung verstanden, die von einem externen Dienstleister übernommen werden.

Im Rahmen der CBOK Studie „Engaging Third Parties for Internal Audit Activities“ unter 15.000 Teilnehmern der Internen Revision aus 166 Ländern zeigte auf, dass jede dritte Revisionsabteilung sich durch den Zukauf von Revisionsdienstleistungen verstärkt. Im Vergleich zeigt sich, dass kleine Revisionsabteilungen weniger Leistungen zukaufen, während größere Revisionsabteilungen erhöht Dienstleistungen von externen Revisionsdienstleistern zukaufen. Als Vorteile haben die Befragten hohes Experten-Know-How, geringere Fixkosten oder eine Stärkung der Objektivität durch Rotation an.